Kleiner Messerundflug

11. Oktober 2010

Nachdem ich großkotzig angekündigt hatte, WÄHREND der Buchmesse AKTUELL zu bloggen und die Aktivitäten auf dieser Seite unmissverständlich anzeigen, dass ich das NATÜRLICH nicht geschafft habe, will ich wenigstens jetzt einen kleinen Überblick über die #fbm10 (so der Twitter-Hashtag) aus meiner Perspektive geben.

Ärger über die DB, ihre Mitarbeiter, Fahrpläne und Unzuverlässigkeiten können dieses Mal ausgeblendet werden, da mein vierrädriger japanischer Freund mit den drei Diamanten im Signet mich flugs gen Hessen beförderte und sich von den üblichen Staus rund um Ruhrgebiet und Rheinland nicht irritieren ließ.

Der Messestart war klasse, fiel doch der erste vereinbarte Termin gleich mal ins Wasser (zur Ehrenrettung der Gegenseite sei gesagt, dass wir ihn einen Tag später zur gleichen Zeit nachholen konnten…).

Danach jedoch waren meine drei Messetage von einer gewissen Atemlosigkeit geprägt, die sich angesichts der Fülle aus richtig-wichtigen Terminen, die Weichen für die nähere und mittlere Zukunft gestellt haben und den nicht minder wichtigen „weichen“ Terminen als Dauergefühl etablierte.

Was aus den richtig-wichtigen Terminen geworden ist, wird sich hoffentlich irgendwann auf den Neuerscheinungsregalen einer der kommenden Buchmessen niederschlagen. Die „weichen“ Termine bestanden aus Ereignissen wie „Twittagessen“, „Hot Spotting Book People in Social Media“, der Krönung von „Mr. und Mrs. Bookfair“ oder auch der Teilnahme an Happy Hours und abendlichen Verlagsparties.

Es ist immer wieder enorm zu sehen, wie viele richtig-wichtige und weiche Termine in gerade mal knapp drei Tage Frankfurt hineinpassen. Dass Schlafen nicht zu den zentralen Tätigkeiten des Messebesuchers gehört, versteht sich dabei von selbst.

Eins ist allen Terminen gemeinsam, das bestätigt sich Jahr um Jahr, und hat auch dieses Mal wieder bewiesen, dass diejenigen, für die „die Messe nicht so wichtig“ ist, daneben liegen: Egal, ob der Grund des Treffens ein Twittagessen an der Würstchenbude ist oder ein vorher vereinbarter Termin mit Agentin und Verlagsleiter, die guten Ideen scheinen sich im persönlichen Gespräch wie von selbst zu ergeben. All das, was Tage und Wochen am einsamen Schreibtisch nicht zu produzieren vermochten, fliegt einem im Messegespräch von ganz alleine zu. Ein ganz besonderer Dank geht also an die namentlich hier nicht genannten richtig-wichtigen Gesprächspartner und ebenso an all die nicht weniger wichtigen „weichen“ Gesprächspartner.

Die Twittagessen brachten ein Wiedersehen mit der Elite meiner Timeline, die Aufzählung hier beansprucht keine Vollständigkeit, darf aber gerne als ewig währender #ff gelesen werden:

Richard K. Breuer (@dschun), der der höchst lebendige Beweis dafür ist, dass die Wiener Literatentradition noch lange nicht ausgestorben ist. Richard: mit niemandem würde ich lieber eine Viertelstunde lang auf der Suche nach einem Kaffee über das Freigelände flanieren, es lohnt sich immer!

Stefanie Leo (@buecherkinder), die ich bisher nicht persönlich kannte und die von einer so ansteckenden Fröhlichkeit und Gradlinigkeit ist, dass sie einem im Handumdrehen gute Laune herbeizaubert

Miriam Semrau (@krimimimi33), für die die Fröhlichkeitsbemerkung bei Stefanie in gleichem Maße gilt und deren Power für mehrere Buchmessen hintereinander reichen würde. Nicht einmal ihre merkwürdige Schwäche für Roger W. kann meine Zuneigung hier ins Wanken bringen…

Steffen Meier (@steffenmeier), den ich mit diesem Foto schon wieder in die Bredouille gebracht habe und der an meinem Talent für Tweets, die als Kieselstein beginnen und als Lawine enden irgendwann verzweifeln wird

Philipp Weinbrenner (@DonBrandy), der für mich von vornherein als the one and only Mr. Bookfair feststand

Holger Reichard (@wortmax), mit dem ich zum ersten Mal länger plaudern konnte, was uns sofort zur Feststellung einiger Überschneidungen in unseren literarischen Vorlieben führte

Stefan Möller (@hedoniker), der eben Stefan und nicht Steffen heißt und beim Kuchenessen am Droemer-Stand eine ebenso gute Figur macht wie bei der Laudatio zur Mr./Mrs. Bookfair

Wibke Ladwig (@sinnundverstand), die der diesjährige Juist-Urlaub, bei dem wir uns kurz trafen, offensichtlich so beflügelt hat, dass sie nicht nur Mrs. Bookfair wurde, sondern auch zur absoluten Social-Media-Queen der Branche avancierte

Leander Wattig (@leanderwattig), der nicht nur „was mit Büchern“, sondern auch wieder jede Menge „auf der Messe“ machte, trotzdem Zeit für ein Stück Kirschstreuselkuchen hatte und als Werder-Bremen-Fan bei mir sowieso schon lange gewonnen hat

Patricia Keßler (@knaurverlag), die für den nun schon zweimal zitierten Kuchen verantwortlich zeichnete und diesen elegant parlierend am Droemer-Stand darbot. Dafür, dass meine Entscheidung, zur Droemer-Party zu gehen, eine Fehlentscheidung war, konnte sie wirklich nichts…

Karla Paul (@buchkolumne), die noch versuchte, mich am Freitag abend mit all den anderen zum Italiener zu schleppen. Die Absage dieses Angebots bedauerte ich spätestens beim „Genuss“ pappiger Pommes an einer ungenannten deutschen Autobahnraststätte

Heike Koschyk (@HeikeKoschyk), die einen Moment lang für einen Besuch bei der Mr./Mrs. Bookfair-Krönung ernsthaft überlegte, ihre Familie am Flughafen warten zu lassen, dies aber dann wohl doch nicht übers Herz brachte

Carsten Raimann (@craimann), den die Lahmarschigkeit einiger Marktteilnehmer in Sachen Social-Media genauso zum Wahnsinn treibt wie mich

Saskia Heinen (@SaskiaHeinen), die ich dieses Mal leider nur einmal kurz am UTB-Stand traf und die unvergleichlich hart im Nehmen ist: Freitag bis mittags auf der Messe, Rückfahrt, und dann noch im Laden ihre Frau stehen! Respekt!

Heike Schmidt (@HeikeSchmidt), die nicht nur die schärfsten roten Pumps der ganzen Messe trug, sondern ein weiteres Mitglied der Fröhlichkeits-Fraktion ist und meine Vermutung, dass UTB für „Unendlich Tolle Buchmenschen“ steht, ein weiteres Mal bestätigt hat

Ansonsten fiel mir stark erhöhte Promidichte auf, was tendenziell eher erhöhten Bedarf an Ghostwritern in den kommenden Jahren bedeuten könnte. Social-Media war in aller Munde, eBooks auch, und Vargas Llosa gewann den Literatur-Nobel-Preis. Der Messe-Mayer erwischte mich auch dieses Jahr wieder unvorteilhaft, ein beim AWS-Abend geschossenes Foto veröffentliche ich hier lieber nicht und die Random-House-Party am Mittwoch fand ich um Längen besser als die Droemer-Party am Donnerstag.

Soweit mein subjektiver Messebericht, nach Rückkehr in den Alltag werden dann auch an dieser Stelle wieder die wirklich wichtigen Branchenthemen angegangen…

7 Kommentare zu “Kleiner Messerundflug”

  1. Hi Carsten,
    netter Überblick, Eindrücke zum Schmunzeln! Und danke für die Erwähnung. Dann müssen wir der Branche eben ein wenig einheizen ;-)
    Beste Grüße von Carsten

  2. Ach, Carsten, diese netten Worte am frühen Morgen lassen mich den Messeschnupfen sofort vergessen und zaubern mir schon vor 7 Uhr ein Lächeln aufs Gesicht.
    Lass dich mal kräftig drücken, so virtuell geht das auch ohne Ansteckungsgefahr :-)
    Steffi

  3. @Carsten: Einheizen klingt gut. Wie würde unser aller Mr. Bookfair, @DonBrandy, sagen: “Let’s rock!” :-)

    @Stefanie: Na, wenn ich nebenbei noch für Deine Gesundung sorgen kann, ist doch alles gut! :-)

  4. Lieber Carsten,

    alles drin, alles gesagt – ein wahrlich schöner Messebericht. Es war toll, dich “in real life” (wenn man die Buchmesse so nennen kann?) kennen gelernt zu haben. Ein artiges Dankeschön für die schmeichelhafte Erwähnung und die besten Grüße und Wünsche nach Leer – bis gleich in der tl!
    Deine Heike

  5. :-)

    Ach, der gute Carsten, der weiß halt, wie man Komplimente macht. Soll noch mal einer sagen, die Norddeutschen hätten keinen Charme.

    Wenn ich mich nicht ganz deppert anstelle, sollte ich im nächsten Jahr wenigstens zu einer der angesagten Verlags-Partys eingeladen werden. Vielleicht muss ich mich zum Prinzen der Buchmesse krönen lassen und mit meinem Krönchen die Türwächter (ist das jetzt kafkaesk) blenden. Wär mal was anderes.

    Bis zum nächsten Plausch. Irgendwo in Germanien oder dann halt nächstes Jahr in Wien und im Kaffeehaus!

  6. @Heike Real life und Buchmesse haben in der Tat wohl wenig miteinander zu tun. Wir alle werden das auch dieses Jahr unmittelbar nach der Rückkehr gemerkt haben, denke ich…

    @Richard Du weißt doch, mein Charme ist immer inspiriert vom Wiener Schmäh… :-) Ob Germanien oder Kaffeehaus oder online: let’s plausch!

  7. Lieber Carsten,
    danke für den herzerfrischenden Messeeindruck. Leider hatte ich Termin an Termin und konnte mich euch nicht einmal (auch nur kurz)anschließen, was ich zutiefst bedauere. Vielleicht schaffen wir es im nächsten Jahr.

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