Bruen-tal gut – Jack Taylor und Co. endlich auf deutsch

12. Dezember 2010

Wann der Erstkontakt stattgefunden hat, weiß ich leider nicht mehr. Aber ich bin dem- oder derjenigen, die mich auf Ken Bruens Jack Taylor-Reihe im Atrium-Verlag aufmerksam gemacht hat, immer noch dankbar.

Ich muss dazusagen, dass ich nicht unbedingt zu den passionierten Krimi-Lesern gehöre. Auch wenn Sonntag abends auf Twitter die Zahl der Tweets mit dem Hashtag #tatort unüberschaubar wird, schalte ich eher ab. Und lese. Und zwar in letzter Zeit vermehrt…Krimis. Und daran ist Ken Bruen nicht ganz unschuldig.

Seine Jack Taylor-Krimis brechen mit einigen Standards des Genres. Es geht weniger um die Leichen, die Polizei, das Verbrechen als solches. Sondern es geht um die Verbrechen, die das Leben so an Jack Taylor, der Hauptfigur dieser Krimis, begangen hat. Es hat ihn rauskatapultiert aus dem Polizeidienst, und es hat ihn auch rauskatapultiert aus allen anderen Beziehungen, die er im Laufe seines Lebens so eingegangen ist. Weil Taylor die hohe Kunst der Diplomatie nicht beherrscht. Könnte man sagen. Oder weil er straight, grundehrlich und ein Gerechtigkeitsfanatiker ist. Könnte man auch sagen.

Die Jack-Taylor-Reihe, von der bisher drei Bände in der deutschen Übersetzung von Harry Rowohlt erschienen sind, ist über weite Strecken eine psychologische Studie der Hauptfigur. Wer allzu viel Introspektion und latente Handlungsarmut über viele Seiten hinweg so gar nicht mag, sollte eher nicht zu Bruen greifen. Und trotzdem muss ich sagen: wer nicht zu Bruen greift, verpasst was.

Das hat wohl mittlerweile auch der ehrenwerte Suhrkamp-Verlag gemerkt und neun Jahre nach dem Erscheinen des Originals „London Boulevard“ auf den Markt gebracht. Die psychologischen Parallelen zwischen Jack Taylor und der LB-Hauptfigur Mitchell sind offensichtlich. Beide sind oft vom Leben enttäuscht worden, kompensieren das mit jeder Menge Alkohol und auch anderem Stoff, setzen voll auf die Zynismus-Karte und geben sich als unnahbare einsame Wölfe. Und bei beiden ist die Sehnsucht nach echten Gefühlen, tiefen menschlichen Beziehungen doch jederzeit spürbar. Umso brutaler trifft es auch den Leser, wenn sich in Mitchells Leben die Frau zeigt, die ihn aus allem Ungemach retten könnte und diese ein paar Seiten später von seinen Gegenspielern brutal ermordet wird.

Das Leben spielt den Figuren Ken Bruens übel mit, und für den Leser ist die Lektüre somit Katharsis im Hinblick auf all die Idioten, die ihm in seinem täglichen Leben begegnen und verhindern, dass er es so leben kann, wie er gerne möchte.

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