Es ist Buchmesse! Und alle fahren doch wieder hin…

Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel. „Muss man überhaupt noch nach Frankfurt fahren?“,  „Viel zu voll, keine Ruhe für Gespräche“ oder auch erschöpfend „Das bringt doch eh nix…“

Das Ende vom Lied: Alle fahren wieder hin… Und das ist auch gut so. Auch ich werde mich Mittwoch in aller Herrgottsfrühe auf den weiten Weg von Ostfriesland in die Mainmetropole machen und ab Mittag in den allgemeinen Buchmenschen-Strom eintauchen. Und wissen Sie was: ich freu mich drauf!

Nach (technischer und zeitlicher) Möglichkeit werde ich via Blog noch aus Frankfurt ein paar Messeeindrücke zum Besten geben, auf jeden Fall aber ganz viel von dort twittern. Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag plane ich einen Besuch der jeweiligen Twittagessen ein, wo hoffentlich auch Gelegenheit zu vielen Gesprächen mit vielen Leuten über viele Themen der Branche bestehen wird.

Bis bald, wir sehen uns hoffentlich in Frankfurt!

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Charmante Kritik an diversen Medienhypes

Das kursiert derzeit im Netz und ich finde es ziemlich charmant. Nimmt es doch den Hype, der mittlerweile um jedes neue technische Dingenskirchen gemacht wird, auf unaufgeregte Weise aufs Korn:

Kennen Sie BOOK?

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Der Streit ums Bestseller-Backen

Heute erscheint in der WELT ein Artikel, der sich mit dem Phänomen beschäftigt, dass nur noch großes mediales Getöse dazu führe, ein Sachbuch zu einem Bestseller zu machen. Die Reaktion einer Followerin, nachdem ich den Link zum Artikel twitterte, bestärkt mich darin, ein paar Takte dazu zu schreiben.

Ob man denn angesichts eines solchen, offensichtlich mit zweifelhaften Methoden erkauften, Erfolgs morgens noch in den Spiegel schauen könne, war sinngemäß die Frage der twitternden Journalistin und Buchautorin Petra von Cronenburg.

Nun, ich denke, man kann. Kein Autor der Welt muss sich dafür entschuldigen, dass die Menschen seine Bücher kaufen. Und diejenigen, die es gekauft und dann auch gelesen haben, können im Zweifelsfall wenigstens substantiell etwas zum Inhalt sagen. Im Gegensatz zu denen, die alles schon vorher wissen und dann ihrerseits mit substanzlosem Geplapper mediale Aufmerksamkeit erzeugen, die Parallelgesellschaft der Politik wie sie Norbert Bolz gestern abend bei Anne Will ganz richtig titulierte, lässt grüßen.

Was mir nicht gefällt, ist die Front, die hier aufgebaut wird, zwischen all den kleinen, unabhängigen Verlagen, die nur Nobelpreis-Verdächtiges zu produzieren scheinen und den großen (Konzern-)Verlagshäusern, die es offensichtlich ausschließlich darauf anlegen, den Leser für blöd zu verkaufen.

Es gibt schlechte Bücher in Kleinverlagen, und es gibt großartige Bücher in Großverlagen. Punkt. Umgekehrt genauso. Punkt. Dass die wenigsten Kleinverlags-Bücher dabei Bild-kompatibel sind, ist sicher Fakt. Dass sich kaum ein Kleinverleger dieser Möglichkeit bedienen wollen würde, wenn er sie denn hätte, wohl auch. Aber lässt sich daraus den großen Häusern ein Vorwurf ableiten? Ich glaube es nicht.

Es spricht eher für eine unfassbare Arroganz und Ignoranz der Leserentscheidung gegenüber, wenn in bester „Beleidigte-Leberwurst-Manier“ geklagt wird, manche Bücher liefen nur deshalb so gut, weil sie in BILD und SPIEGEL vorabgedruckt oder überhaupt nur erwähnt seien. Abgesehen davon, dass es durchaus Gegenbeispiele gibt, bei denen das nicht der Fall ist, halte ich es für ziemlich wohlfeil, sich über den Inhalt eines Buches nicht mehr austauschen zu wollen (bzw. zu glauben, das nicht mehr zu müssen), nur weil es sich gut verkauft.

Fakt ist, dass in den vergangenen Jahren viele Bücher deshalb erfolgreich waren, weil sie mit ihren Thesen auf eine Phalanx sehr starrer gegensätzlicher Meinungen trafen. Und man ist immer wieder fasziniert, wie geistig unbeweglich eigentlich intelligente Menschen sein können, wenn sie es sich in ihrer Meinungs-Ecke erst mal so richtig bequem eingerichtet haben. Die Tatsache, dass gegensätzliche Meinungen existieren, adelt jedoch keineswegs grundsätzlich diese Meinungen und entwertet auch nicht die Thesen des in Frage stehenden Buches. Dies kann immer nur im konstruktiven Dialog über die Thesen geschehen, was wiederum bedingt, dass man sie im Original gelesen hat. Und ein Grund sein könnte, das Buch zu kaufen.

Übrigens macht die WELT im Artikel selbst natürlich nichts anderes, als das, was die Autorin Inga Michler kritisiert. Sie nutzt DAS Reizwort der letzten Wochen, um Aufmerksamkeit für ein Thema zu wecken, das direkt mit der Überschrift gar nichts zu tun hat. Drüber steht nämlich: „Die Methode Sarrazin“.

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Zwei Journalisten im Offline-Wunderland. Sowas wie eine Rezension

Alex Rühle und Christian Koch waren offline. Ersterer ein halbes Jahr, letzterer sechs Wochen. Und da schreiben nun mal ihr Job ist, haben sie gleich mal so ein altmodisches Ding daraus gemacht, für das man nicht mal ein Lesegerät braucht.

Die Verlage Klett-Cotta (Rühle) und Blanvalet (Koch) haben’s gedruckt, und nun dürfen wir Blogger, Twitterer, Facebooker und sonstigen Online-Afficionados überlegen, ob wir uns darin wiederfinden oder nicht.

Blöderweise muss ich gestehen: hätte ich in beiden Büchern alle Stellen markiert, an denen ich mich wiederfinde, hätte ein einzelner Block mit diesen bunten „Pagemarkern“ wohl nicht ausgereicht. Beide beschreiben anschaulich im Tagebuchstil, wie sehr ihnen das stete On-Sein in Fleisch und Blut übergegangen ist, und es überkommt einen ein seltsames Gefühl der Komplizenschaft.

Beiden Texten merkt man die gleiche Schwierigkeit an. Sowohl Rühle als auch Koch sind als professionelle Textdienstleister natürlich hoch-reflexiv und schaffen sehr schöne selbst-ironische Passagen. Doch wohnt gerade diesen Passagen ein merkwürdiger Rechtfertigungszwang inne. Natürlich kommen sowohl Rühle als auch Koch zu dem Schluss, dass ihnen die Offline-Zeit qualitativ manches gebracht habe. Und doch lassen beide wenige Gelegenheiten aus, die Segnungen des Internets zu preisen. Man fragt sich an diesen Stellen, woran dieses geradezu zwanghaft anmutende Hochjubeln des Suchttreibers, von dem man sich doch gerade lösen will, liegt. Es ist doch kaum davon auszugehen, dass allzu viele Leser zu diesen Büchern greifen, die nicht ohnehin wissen, dass man online eine ganze Menge sinnvoller Dinge tun kann.

Ist es vielleicht so, dass diejenigen in der Netzgemeinde, die vor allem immer die Auswirkungen auf Freiheit und Toleranz preisen, in Wirklichkeit oft genauso engstirnig und intolerant vorgehen wie die anderen, denen sie genau dies vorwerfen? In der aktuellen Debatte um Google StreetView ist das wieder sehr schön zu sehen. Kaum wagt es jemand, ein kritisches Wort zu äußern, wird er von den üblichen Verdächtigen niederironisiert, der Mann mit dem roten Irokesen auf dem Kopf geht da gerne voran. Das hat schon was quasi-religiöses, dieser Eifer, mit dem hier Ungläubige bekehrt werden sollen.

Doch zurück zu Rühle und Koch. Der Unterschied zwischen beiden Büchern liegt hauptsächlich im Tonfall. Rühle merkt man seinen Brotjob als Feuilleton-Redakteur der SZ an, seine Tagebucheinträge klingen doch sehr viel gesetzter und nachdenklicher als bei Koch. Dieser, hauptberuflich vor allem für das Lifestyle-Magazin Neon unterwegs, trifft auch im Buch eher den lockeren, coolen Ton der Digital Immigrants, die so gerne Natives wären.

Ganz ehrlich: ich habe die Bücher vor allem gelesen, weil ich weiß: ich möchte so ein Experiment gar nicht machen. Ich vertraue einfach weiter drauf, den Ausschalter zu finden, wenn es nötig ist und genieße ansonsten weiterhin ernste und alberne Tweets, obskure Einträge auf Facebook, Auftragsanfragen via XING und was das Netz sonst noch so zu bieten hat. Ich glaube, dass das besser funktioniert als ein verordneter Offline-Tag, wie Rühle es am Ende seines Buches vorschlägt.

Gelohnt hat sich die Lektüre indes allemal, schärfen doch viele Beobachtungen beider Autoren noch mal den eigenen Blick aufs Surfverhalten. Und ich schwöre: während der Buch-Lektüre habe ich weder getwittert, noch Mails abgerufen… Ich war einfach nur… Offline.

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Integration ist eine gute Sache, Frau Özkan! Mediengleichschaltung nicht, Frau Özkan!

So richtig wach bin ich ja meist morgens beim Frühstück noch nicht, wenn ich die örtliche Tageszeitung aufschlage (disclaimer: ja, ich lese tatsächlich noch eine Print-Tageszeitung. Und zwar gerne). Heute morgen hatte die Ostfriesen-Zeitung, die ihren Mantelteil von der Nordwest-Zeitung bekommt, allerdings einen echten Wachmacher anzubieten.

Niedersachsens Integrationsministerin, Aygül Özkan, so war da zu lesen, habe eine „Mediencharta“ vorgeschlagen, die On- und Offline-Medien zu einer einheitlichen Sprachregelung beim Thema Integration verpflichten solle: http://tinyurl.com/3342bcf

Upps. Der Ostfriesen-Tee, der eigentlich zum Wachmachen gedacht war, landete fast auf der Zeitung, nicht, weil zu heiß war, sondern, weil mir bei dieser Meldung heiß und kalt zugleich wurde. Schien es im ersten Moment ein erstaunlicher Coup vom jetzigen Bundespräsidenten Christian Wulff, eine Türkin zur Integrationsministerin zu machen, so kann Wulffs Nachfolger David McAllister sich nun damit auseinandersetzen, was für ein Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit eigentlich in seinem Kabinett herrscht.

Integration ist ein wichtiges Thema. Zu wichtig, um von Möchtegern-Frontleuten wie Frau Özkan durch solch fragwürdige Aktionen diskreditiert zu werden. Man ist versucht, sich zu fragen, wie die Ministerin sich das eigentlich vorstellt. Soll künftig jeder Beitrag zum Thema erst durch die Zensurzentrale im niedersächsischen Integrationsministerium laufen? Und dort entweder verboten oder auf Linie gebracht werden?

Man könnte Aygül Özkan ja vielleicht mal fragen, ob es nicht auch zur Integration gehört, geltende Freiheiten in einer Gesellschaft zu akzeptieren und mitzutragen. Ihr Ansatz einer „Mediencharta“ zeigt hier jedenfalls in eine ganz falsche Richtung.

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Twitter ist nicht immer effektiv. Na und?

Es ist kein Wunder, dass Twitter Menschen außerhalb der Medienbranche nur schwer nahe zu bringen ist. Gefühlte 90 Prozent der deutschen Twitter-User schließlich sind Angehörige genau dieser Branche, und so entsteht ein gewissermaßen inzestuöser Charakter dieser Plattform, der das Treiben dort allen Außenstehenden eher als sinnfreie Spielerei und Zeitverschwendung erscheinen lässt.

Doch auch innerhalb der Medienschaffenden, und hier besonders innerhalb der Buchbranche, können sich viele, die man dort erwarten würde, noch immer nicht so recht mit dem Gezwitscher anfreunden.

Und wirklich fördert das offenbar angeborene Mitteilungsbedürfnis vieler Neu- und Alt-Buchhändler (auch bekannt als Antiquare), Verlagsleute, Autoren und Blogger erstaunliche Erkenntnisse über deren Privatleben zutage, bei denen die Frage nach dem Nutzen kaum zufriedenstellend wird beantwortet werden können.

Aber ist deswegen alles nichts wert, was über den Zwitscherkanal geht? Oder sehen wir uns hier auf eine Tugend zurückgeworfen, die schon die Nutzung von Offline-Medien bisweilen erschwert hat: das Treffen einer Auswahl, das Filtern von Informationen sowie den Mut zur Lücke?

Letzteres dürfte der Fall sein. Twitter, genauso wie andere Social-Media-Plattformen, gleicht derzeit noch einer großen Spielwiese. Jeder darf alles ausprobieren und muss sich wenig Gedanken darüber machen, ob er die anderen mit seinem Tun nervt. Denn die können ihn schließlich ausblenden und wegklicken.

Vielleicht kann in Zeiten der Fußball-WM aber auch die Analogie zum Testspiel zeigen, worum es geht. So wie in Testspielen oftmals alle in Frage kommenden Spieler zum Einsatz kommen und das Ergebnis zweitrangig ist, so probieren derzeit bei Twitter und Co. viele vieles aus und nehmen in Kauf, wenn etwas nicht funktioniert.

Wenn jedoch das Turnier startet, sprich: die Nutzung der sozialen Medien sich zunehmend professionalisiert, werden die, die viel trainiert haben, vorne dabei sein und so manches „No-go“ bereits ausgeschlossen haben. Wer glaubt, auf den fahrenden Zug aufspringen zu können, wenn dieser bereits Tempo aufgenommen hat, muss sich nicht wundern, wenn er sofort wieder runterfällt.

Und was das scheinbar überflüssige oder vielleicht manches Mal sogar peinliche Privatgezwitscher angeht: seien wir ehrlich, nichts anderes machen wir seit Jahren auf Messen, Tagungen, Vertreterbesuchen, zufälligen Treffen. Fachgespräche führen, Informationen aufnehmen und gleichzeitig erfahren, wie der andere „tickt“: man nennt es auch „menschliche Kommunikation“. Das ist bei Twitter nicht anders als auf der Buchmesseparty oder dem Pausenkaffee beim Seminar.

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