Heute erscheint in der WELT ein Artikel, der sich mit dem Phänomen beschäftigt, dass nur noch großes mediales Getöse dazu führe, ein Sachbuch zu einem Bestseller zu machen. Die Reaktion einer Followerin, nachdem ich den Link zum Artikel twitterte, bestärkt mich darin, ein paar Takte dazu zu schreiben.
Ob man denn angesichts eines solchen, offensichtlich mit zweifelhaften Methoden erkauften, Erfolgs morgens noch in den Spiegel schauen könne, war sinngemäß die Frage der twitternden Journalistin und Buchautorin Petra von Cronenburg.
Nun, ich denke, man kann. Kein Autor der Welt muss sich dafür entschuldigen, dass die Menschen seine Bücher kaufen. Und diejenigen, die es gekauft und dann auch gelesen haben, können im Zweifelsfall wenigstens substantiell etwas zum Inhalt sagen. Im Gegensatz zu denen, die alles schon vorher wissen und dann ihrerseits mit substanzlosem Geplapper mediale Aufmerksamkeit erzeugen, die Parallelgesellschaft der Politik wie sie Norbert Bolz gestern abend bei Anne Will ganz richtig titulierte, lässt grüßen.
Was mir nicht gefällt, ist die Front, die hier aufgebaut wird, zwischen all den kleinen, unabhängigen Verlagen, die nur Nobelpreis-Verdächtiges zu produzieren scheinen und den großen (Konzern-)Verlagshäusern, die es offensichtlich ausschließlich darauf anlegen, den Leser für blöd zu verkaufen.
Es gibt schlechte Bücher in Kleinverlagen, und es gibt großartige Bücher in Großverlagen. Punkt. Umgekehrt genauso. Punkt. Dass die wenigsten Kleinverlags-Bücher dabei Bild-kompatibel sind, ist sicher Fakt. Dass sich kaum ein Kleinverleger dieser Möglichkeit bedienen wollen würde, wenn er sie denn hätte, wohl auch. Aber lässt sich daraus den großen Häusern ein Vorwurf ableiten? Ich glaube es nicht.
Es spricht eher für eine unfassbare Arroganz und Ignoranz der Leserentscheidung gegenüber, wenn in bester „Beleidigte-Leberwurst-Manier“ geklagt wird, manche Bücher liefen nur deshalb so gut, weil sie in BILD und SPIEGEL vorabgedruckt oder überhaupt nur erwähnt seien. Abgesehen davon, dass es durchaus Gegenbeispiele gibt, bei denen das nicht der Fall ist, halte ich es für ziemlich wohlfeil, sich über den Inhalt eines Buches nicht mehr austauschen zu wollen (bzw. zu glauben, das nicht mehr zu müssen), nur weil es sich gut verkauft.
Fakt ist, dass in den vergangenen Jahren viele Bücher deshalb erfolgreich waren, weil sie mit ihren Thesen auf eine Phalanx sehr starrer gegensätzlicher Meinungen trafen. Und man ist immer wieder fasziniert, wie geistig unbeweglich eigentlich intelligente Menschen sein können, wenn sie es sich in ihrer Meinungs-Ecke erst mal so richtig bequem eingerichtet haben. Die Tatsache, dass gegensätzliche Meinungen existieren, adelt jedoch keineswegs grundsätzlich diese Meinungen und entwertet auch nicht die Thesen des in Frage stehenden Buches. Dies kann immer nur im konstruktiven Dialog über die Thesen geschehen, was wiederum bedingt, dass man sie im Original gelesen hat. Und ein Grund sein könnte, das Buch zu kaufen.
Übrigens macht die WELT im Artikel selbst natürlich nichts anderes, als das, was die Autorin Inga Michler kritisiert. Sie nutzt DAS Reizwort der letzten Wochen, um Aufmerksamkeit für ein Thema zu wecken, das direkt mit der Überschrift gar nichts zu tun hat. Drüber steht nämlich: „Die Methode Sarrazin“.
Heute erscheint in der WELT ein Artikel, der sich mit dem Phänomen beschäftigt, dass nur noch großes mediales Getöse dazu führe, ein Sachbuch zu einem Bestseller zu machen. Die Reaktion einer Followerin, nachdem ich den Link zum Artikel twitterte, bestärkt mich darin, ein paar Takte dazu zu schreiben.
Ob man denn angesichts eines solchen, offensichtlich ...